"... und ich möchte

leben bis zuletzt!"

Buchbesprechung November 2014

Gian Domenico Borasio: selbst bestimmt sterben

Verlag C.H. Beck ISBN 978-3-406-66862-3

Dass wir „selbst bestimmt sterben" werden, ist unausweichlich. Welche Faktoren unsere Selbstbestimmung beim Umgang mit unserem Sterben beeinflussen (wie soziales Umfeld, ökonomische Interessen, Spiritualität), beleuchtet der Palliativ-Mediziner Borasio in seinem neuen Buch.
Am Ende des Lebens hilft palliative Medizin durch Linderung physischer Symptome und psychischer Probleme, aber auch durch aufmerksames Zuhören bei der Antwort auf die Frage: Was ist mir in der verbleibenden Zeit am wichtigsten? Und sie stellt der modernen, technologisch orientierten Medizin die Frage: Ist wirklich immer alles sinnvoll, was machbar ist?
Der Autor erläutert, wie bei uns in Deutschland der Begriff „Sterbehilfe" historisch und emotional belastet ist und wie allein duch eine Wortwahl wie „Therapieziel-Änderung" statt „Behandlungsabbruch" eine Trennung von sachlichen statt ideologiebehafteten Argumenten möglich wird, damit Wünsche und Prioritäten betroffener Menschen gehört und auch erfüllt werden können. Recht auf Leben heißt nicht Pflicht zu leben. Er kritisiert medizinisch nicht angezeigte Übertherapie am Lebensende, insbesondere aus ökonomischen Interessen, als Hindernis für palliative und gute pflegerische Versorgung.

Ein lesenswertes und Hoffnung machendes Buch!

(Andreas Reuther)