"... und ich möchte

leben bis zuletzt!"

Buchempfehlung Januar 2017

Annelie Keil, Henning Scherf

Das letzte Tabu - Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen

Herder-Verlag, Freiburg, ISBN 979-3-451-34926-3, 19,99 €

 

Zwei alternde Menschen bedenken den sich nähernden Tod. Durch ganz unterschiedliche Herkunft, Geschichte und persönlicher Schicksalsentwicklungen geprägt, doch freundschaftlich verbunden, legen sie in ihrem gemeinsamen Buch ihre Sichtweisen, ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit dem Lebensende vor.

 

Ein paar Zitate ihrer Gedanken:

 

Altwerden geht unter die Haut. Altwerden ist immer leibhaftig. Körper, Seele und Geist bilden das Team, das uns durch die Lebensprozesse geleitet, nach Lösungen sucht und auch Verwirrungen und Angst stiftet. Individuelle und soziale Einschränkungen, das Nachlassen der Kräfte, der Verlust der Nützlichkeit und zunehmende Vereinsamung verunsichern, fordern heraus und gefährden das bisherige Selbstbild.

 

Mensch sein heißt, besonders im hohen Alter, leichter verletzt werden zu können, Ungerechtigkeit zu erfahren, nicht ernst genommen und übersehen zu werden. Es heißt aber umgekehrt auch, fordernd, selbstgerecht, überheblich, verletzend, dominant und oft auch undankbar gegenüber denen zu werden, die als Angehörige und professionelle Helfer an der Seite der alten Menschen um deren Wohlbefinden bemüht sind.

 

Jemand, der sich zumutet, einen Sterbenden zu begleiten, tut etwas für sein eigenes Lebhen. Viele meinen, sie müssten in eine Kur, in ein Wellness-Hotel fahren, um wieder zu sich zu kommen. Manche meinen, sie müssten sich betrinken, um das Elend zu vergessen, das ihnen täglich widerfährt...Aber das alles ist lächerlich gegenüber der Erfahrung, mit jemandem vertraut zu sein, der am Ende seines Lebens ist...

 

Wir kommen nicht freiwillig und selbstbestimmt zur Welt, sondern werden ungefragt als Geschenk der nackten Geburt unserem zukünftigen Leben in einer uns noch unbekannten Welt übergeben. Das Ende ist ählich. Ungefragt müssen wir zu einem unbekannten Zeitpunkt unser Bündel schnallen und gehen, hinter uns lassen, was Bedeutung hatte und auch, was nich gelungen oder Brachland geblieben ist. Anfangen und Abschiednehmen müssen wir lernen!

 

Ich habe die Autoren auf ihrem Leseabend in Maria-Laach erlebt und bin von ihnen und ihrem Buch sehr beeindruckt.

 

(Dr. Andreas Reuther)