"... und ich möchte

leben bis zuletzt!"

Buchbesprechung April 2015

Charlotte Link: Sechs Jahre - Der Abschied von meiner Schwester
Blanvalet Verlag ISBN 9783764505219 | € 19,99

Charlotte Link hat mich als Badewannen-, Garten-, Couch- und Strandbuch schon oft begleitet und mir kurzweilige Momente beschert. Mit „Sechs Jahre" ist ein ganz persönliches Werk von der Krankheit und dem Sterben ihrer Schwester Franziska entstanden. Jahrelange, alltäglich begleitende Angst die Schwester zu verlieren, dem ausgesetzt sein zwischen Klinikaufenthalten, Begegnungen mit fähigen und mäßig fähigen Medizinern, sowie Scharlatanen, hat sie eindrucksvoll dokumentiert. Aber nicht nur das, sondern auch die enge und intensive Unterstützung und Begleitung der Familie kommt gut zum Ausdruck.
Dieses Buch hat mich sehr berührt, besonders die Schilderungen von spracharmen und emotionslos wirkenden Ärzten. Dieses „Bild" hatte ich in der Vergangenheit angesiedelt, aber anscheinend ist es mehr präsent als ich dachte.
Trotz den realistischen und manchmal negativ geprägten Schilderungen kommt eins immer wieder durch – nicht aufgeben, nicht die Hoffnung begraben, sondern kämpfen, kämpfen, kämpfen.

(Claudia Baumanns)


Buchbesprechung März 2015

(Hör-) Buchempfehlung März 2015

Randy Pausch | Last Lecture - Die Lehren meines Lebens
Hörbuch: 5CD ca. 360min, Steinbach sprechende Bücher – ISBN 9783869740140
Taschenbuch: Goldmann Bd.47137 - ISBN 9783442471379

Diesmal möchten wir ein Buch vorstellen, das bereits 2008 erschienen ist und als „Abschiedsvorlesung" passenderweise auch in Hörfassung vorliegt.
Der Autor Randy Pausch, Professor für Informatik, hielt sie - mit 47 Jahren unheilbar an Krebs erkrankt - im Jahr 2007.
In der Einführung erläutert er, warum ihm diese letzte Vorlesung so wichtig war und wie er das Thema für seinen Vortrags entwickelt hat. Dann legt er, ohne seine Krankheit und den sicheren Tod zu verdrängen, den Schwerpunkt viel mehr auf seine noch bestehende Lebensfreude und beschreibt, was zur Entwicklung dieser Lebenskraft beigetragen hat. Er erzählt uns Geschichten, schildert seine Kindheitsträume und wie es ihm gelungen ist, viele zu verwirklichen. Im Sinn hat er dabei vor allem aber seine drei noch viel zu kleinen Kinder, denen er seine Botschaft: Was ist wirklich wichtig im Leben und wie kann man das erreichen - so als Aufzeichnung für sie hinterlassen kann.
Ein schweres Thema, ansprechend, trotzdem humorvoll und ermutigend präsentiert.

(Dr. Andreas Reuther)


Buchbesprechung Februar 2015

Bernd Eichmann: Vatter baut ab – Eine Geschichte von Demenz und Liebe

Gütersloher Verlagshaus ISBN 978-3-579-07060-5 17,99€

Vatter lebt noch alleine, kommt finanziell gerade zurecht, wird aber langsam „tüttelich". Das Angebot, zu seinem Sohn zu ziehen, lehnt er ab. Ein befreundeter Psychiater diagnostiziert Demenz.
Nervenklinik und Pflegeheim sind kurze Zwischenstationen, die der Sohn sehr gut beobachtet und sich doch entschließt: Vatter zieht bei mir und meiner Lebensgefährtin ein.
Nun folgt eine Erzählung, die eigentlich so oder so ähnlich jeden Umgang mit demenziell Erkrankten beschreibt. Die Schilderungen sind sehr realistisch und so kurzweilig erzählt, dass der Schrecken der ersten Erfahrungen mit Demenz erträglich wird.
Auch das ewig Weibliche ist bei Vatter noch ein Thema und wird im Buch mit einem Augenzwinkern beschrieben. Mit viel Phantasie überwindet der Sohn die Pflegeroutinen und sorgt für mehr „den Tagen Leben geben", obwohl das schwarze Loch unaufhaltsam immer größer wird.

Ein sehr bereicherndes Buch, das auch eine notwendige, ruhige Gelassenheit fördert.

(Horst Steinheuer)


DVD-Besprechung Januar 2015

DVD - Besprechung für Januar 2015

Kirschblüten Hanami
Rudi Angermeier arbeitet beim Landratsamt und schätzt geordnete, immer gleiche Abläufe. Zwei Kinder leben in Berlin, und Karl, der jüngste Sohn, zog vor fünf Jahren nach Tokio. Trudi erfährt, dass ihr Mann Rudi Krebs im Endstadium hat und sie beschließt, die schlimme Diagnose vor ihm und der Familie geheim zu halten und den Rat einer letzten gemeinsamen Urlaubsreise zu befolgen. Sie fahren nach Berlin und müssen feststellen, dass ihre Kinder keine Zeit haben. Daraufhin reisen sie an die Ostsee, wo Trudi unerwartet stirbt. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als er dann noch von der Freundin seiner Tochter erfährt, dass Trudi das Leben, das sie leben wollte, offenbar aus Liebe zu ihm geopfert hat, sieht er seine verstorbene Frau mit neuen Augen.
Er bricht aus seinem festgefahrenen Beamtenalltag aus und reist, auf den Spuren Trudis unerfüllt gebliebenen Träume, nach Japan. Sein dort lebender Sohn Karl hat viel zu tun und so streift Rudi auf eigene Faust herum. Dabei trägt er unter dem Mantel einen Rock und eine Strickjacke seiner verstorbenen Frau, und sobald er etwas Schönes sieht, öffnet er den Mantel, damit das Bild auf Trudis Sachen wirken kann, so auch, als er die Kirschblüten bewundert, die Trudi so gern gesehen hätte. Er entdeckt die magische Körpersprache des japanischen Butoh-Tanzes, der seine Frau zu Lebzeiten so faszinierte und begegnet der obdachlosen Yu.
Er macht sich mit ihr schließlich auf den Weg zum legendären Berg Fuji. Ihn einmal zu sehen war ein großer Wunsch von Trudi. In der fremden Welt lernt er, die Grenzen zwischen Leben und Tod zu überwinden.


(Claudia Baumanns)


Buchbesprechung Dezember 2014

Roswitha Quadflieg: Neun Monate – Über das Sterben meiner Mutter

Aufbau Verlag ISBN 978351034146 | €17,95

Roswitha Quadflieg ist Schriftstellerin und Buchgestalterin (u.a. hat sie die „Unendliche Geschichte" von Michael Ende illustriert). Ihr Vater war der Schauspielers Will Quadflieg und Schauspieler Christian Quadflieg ist ihr Bruder.
Auf einer Urlaubsreise erfährt die Autorin, dass ihre in einer Seniorenresidenz lebende 92 jährige Mutter so verwirrt ist, dass sie sich im Keller verkrochen hat und nicht mehr in ihre Wohnung möchte.
Es ist ein ganz persönlicher und berührender Bericht über die Demenz, den Verfall und das Sterben der Mutter. Die Tochter begleitet sie, hört zu, notiert, wird zur Chronistin dieser seltsamen Wanderung durch ein Niemandsland. Die Reise in den Tod dauert neun Monate, neun Kapitel, die immer kürzer werden - wie die Erinnerungsabschnitte der Mutter - in denen oft die Frage aufgeworfen wird: Was ist „normal", was nicht?
Frau Quadflieg beschreibt ihre sehr intelligente und aufgeweckte Mutter, die sich langsam von der Realität verabschiedet und „Frau Anders" wird.

(Claudia Baumanns)


Buchbesprechung November 2014

Gian Domenico Borasio: selbst bestimmt sterben

Verlag C.H. Beck ISBN 978-3-406-66862-3

Dass wir „selbst bestimmt sterben" werden, ist unausweichlich. Welche Faktoren unsere Selbstbestimmung beim Umgang mit unserem Sterben beeinflussen (wie soziales Umfeld, ökonomische Interessen, Spiritualität), beleuchtet der Palliativ-Mediziner Borasio in seinem neuen Buch.
Am Ende des Lebens hilft palliative Medizin durch Linderung physischer Symptome und psychischer Probleme, aber auch durch aufmerksames Zuhören bei der Antwort auf die Frage: Was ist mir in der verbleibenden Zeit am wichtigsten? Und sie stellt der modernen, technologisch orientierten Medizin die Frage: Ist wirklich immer alles sinnvoll, was machbar ist?
Der Autor erläutert, wie bei uns in Deutschland der Begriff „Sterbehilfe" historisch und emotional belastet ist und wie allein duch eine Wortwahl wie „Therapieziel-Änderung" statt „Behandlungsabbruch" eine Trennung von sachlichen statt ideologiebehafteten Argumenten möglich wird, damit Wünsche und Prioritäten betroffener Menschen gehört und auch erfüllt werden können. Recht auf Leben heißt nicht Pflicht zu leben. Er kritisiert medizinisch nicht angezeigte Übertherapie am Lebensende, insbesondere aus ökonomischen Interessen, als Hindernis für palliative und gute pflegerische Versorgung.

Ein lesenswertes und Hoffnung machendes Buch!

(Andreas Reuther)


Buchbesprechung Oktober 2014

Claudia Cardinal: Wir sehen uns

Patmos Verlag ISBN 9783530506457 € 14,95


Zum Grab gehen, es pflegen, mit Verwandten und Freunden über den Verstorbenen sprechen, sich Erinnern, Trauern und Abschied nehmen.
In ihrer Publikation „Wir sehen uns" zeigt Claudia Cardinal unkonventionelle Wege auf, genau dieses zu tun, individuell und kreativ.
In ihrem Buch erzählt sie ihre persönliche Wahrnehmung von Menschen die sie getroffen hat. Von Margret, die am Grab ihrer Freundin eine Flasche Sekt schüttelt und den Korken knallen lässt – das Lieblingsgetränk der Verstorbenen - ein Stück Kuchen isst, und humorvolle und erlebte Momente mit der Verstorben dem anwesenden Ehemann erzählt.
Jedes ihrer zwölf Kapitel endet mit „Anregungen für den Alltag". Manche sind provokativ, aber sie regen an umzudenken, neue Wege auszuprobieren. Eine kleine Ideensammlung, um die Zeit des Verabschiedens und die Beerdigung ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Dies kann einem helfen sich nicht in der Trauer zu verstecken.

(Claudia Baumanns)


Buchbesprechung September 2014

Chris Paul: Keine Angst vor fremden Tränen!

Gütersloher Verlagshaus ISBN 9783579073033 € 17,99

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll."
und
„Ich habe Angst etwas Falsches zu sagen und nicht die richtigen Worte zu finden."

Diesen Gedanken haben wir alle im Kopf und im Gefühl wenn wir jemanden begegnen, der einen Freund, Bekannten oder Verwandten durch einen Todesfall verloren hat.
In fünfzehn Kapiteln – Leitfäden - bietet uns die professionelle Trauerberaterin und Leiterin des Trauerinstitutes Deutschland, Chris Paul, Praxistipps und Übungen, die wir umsetzen können. Sie helfen dem Leser die Sprach- und Hilflosigkeit zu überwinden, und mit Anteilnahme und ohne Angst den Trauernden zu begegnen.

Neugierig? Kommen Sie doch zur Lesung mit Chris Pauls.


Buchbesprechung August 2014

Dörte Schipper: Den Tagen mehr Leben geben

Der Starkoch vom Hospiz und seine Gäste

Herder spectrum Band 6609 ISBN 978-3-451-06609-2

Im Hospiz „Leuchtfeuer" in Hamburg halten Gäste Rast am Ende ihres Lebenswegs. Was gibt für die letzten Schritte noch Kraft, was Freude, ja sogar Genuss?
Die Journalistin Dörte Schipper beschreibt die Arbeit des Starkochs Ruprech Schmidt, der statt in einem Gourmet-Tempel lieber in einem Haus für Todkranke arbeitet. Seine Kochphilosophie lautet: „Essen gehört zu den schönsten Freuden des Lebens!"
In einfühlsamen Worten schildert sie, wie der Koch die letzten Essenswünsche seiner Gäste erfragt und erfüllt, manchmal damit ein Strahlen auf ihr Gesicht zaubert und auf die Frage, ob es geschmeckt hat, die Antwort erhält:"Klasse!"

Einfach „klasse" ist dieses schmale Buch; es enthält keine Rezepte, sondern beschreibt, wie durch Aufmerksamkeit und Zuwendung Lebensfreude unterstützt werden kann.

(„Klasse" ist auch, dass der mit zwei Sternen ausgezeichnete Spitzenkoch Hans Stefan Steinheuer als Schirmherr für das in Planung befindliche „Hospiz im Ahrtal" gewonnen wurde.)

Andreas Reuther


Buchbesprechung Mai 2014

Christiane zu Salm: Dieser Mensch war ich

Nachrufe auf das eigene Leben

Goldmann Verlag ISBN 783442313501 € 17,99

Christiane zu Salm ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und hat in ihrem Buch ca. 80 Frauen und Männer im Alter zwischen 43 bis 92 Jahren zu Wort kommen lassen. Ein großer Teil dieser Menschen war schwerst erkrankt und ist in der Zeit der Buchherstellung verstorben.

Deren Lebensrückblicke "Eigentlich habe ich ein Gelegenheitsleben geführt, während ich auf das richtige Leben gewartet habe" sind auf zwei bis drei Seiten festgehalten worden. Die Lebensweisheiten oder Relativierungen des eigenen Lebens „Macht euch die letzten Tage schön! Pumpt euch zu mit Schmerzmitteln, sodass ihr nichts spürt, und dann habt Spaß. Jeden Tag, bis zum letzten" sind so verschieden und unikat, „Auch wenn meine Schmerzen manchmal so groß sind, dass ich lieber gehen würde, möchte ich trotz allem Leben" wie wir Menschen es auch sind.

Es ist ein unspektakuläres und leises Buch, kein pathetisches mit tiefschürfenden Erkenntnissen, aber gespickt mit vielen berührenden und wahren Gedanken.

"Das Akzeptieren können dessen was ist, das ist das Geheimnis."

(Claudia Baumanns)

 

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